Die Schizophrenie der Medienmacht
- TZ

- 13. Dez. 2020
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Jan. 2022

14.Dezember
Jeden Tag mehr prallen die grundverschiedenen Wahrheiten aufeinander bzw. driften immer weiter auseinander. Es macht mich ganz kirre diese täglich wieder und weiter gespaltene Wirklichkeit, es scheint inzwischen von keiner Seite mehr ein einlenken oder umdenken möglich. Menschen, die sich von den Systemmedien leiten lassen, werden jeden Tag weiter in das irgendwie naive Kasperltheater des Durchhalten-alles-wird-wieder-gut-Mutti-hat-euch-lieb-Papi-wirds-schon-richten-Narrativ eingeschworen. Menschen, die sich von den freien Medien leiten lassen, bekommen jeden Tag dutzende Beweise geliefert für die abgrundtiefe Bösartigkeit, Hintertriebenheit und Degeneration der staatlichen, wissenschaftlichen und industriellen Eliten, die nichts anders im Sinn haben als die ahnungslose Menschheit zu ihrem Vorteil immer mehr zu kontrollieren und zu unterjochen. Das eine züchtet im schlimmsten Fall bedingungslosen, emotional abgespaltenen Gehorsam, das andere bedingungsloses, lähmendes Misstrauen.
Ich finde es beides sehr unangenehm und keines davon fühlt sich als Lebensgefühl auf lange Sicht gesund und lebensbejahend an. Heute fiel wohl tatsächlich für einige Minuten mehr oder weniger weltweit die Server von Youtube, Google, MSN etc aus - ob da absichtlich was gedreht wurde oder ob das ein Unfall war, auch das werden wir nie wissen.
Ich wünsche mir ehrlich gesagt nichts sehnlichster als einen weltweiten, mindestens 3-wöchigen Medienlockdown. Totaler Internetbreakdown.
Wie würde sich die Welt und das eigene Leben anfühlen ohne Internet, ohne Fernsehnachrichten, ohne Tageszeitung - ohne täglich, inzwischen minütlich freihaus gelieferte Untergangsszenarien der einen oder anderen Art? Was würden wir denken ohne all die fremden, einem ins Gehirn geschissenen Meinungen von all den Experten und Klugscheissern, ob hoch bezahltem gepudertem Talkshowgast bei Anne Will oder dem Aktivisten-Youtuber mit dem augenkrebsverursachendem selbstgebastelten alarmierenden Videotitelgrafiken?
Was ist bloss passiert mit unserer Welt, sind wir noch Herr unserer eigenen Sinne? Sind wir nicht längst alle Sklaven oder besser Junkies der Informationskonsums? Ist das noch freiwillig oder schon eher Suchtverhalten? Warum geben die Tech-Bosse im Silicon Valley ihren Kindern keine Smartphones?
Ich habe für mehr als 20 Jahre ziemlich bewusst Nachrichtenabstinenz praktiziert, nachdem ich damals in San Francisco einen langen beeindruckenden Vortrag von Andrew Weill hörte, der die zehn Regeln für ein gesundes Leben besprach. Neben "go for a walk every day" etc. war ein Grundsatz: "Do not consume News". Es war gut. Nun ist es seit Corona irgendwie ins Gegenteil gekippt. Es ist für mich momentan ein Ding der Unmöglichkeit diese Regel einzuhalten. Ich gestehe mir inzwischen die Nachrichtensucht ein, es ist leichter denn je sich darin zu verlieren, gleichzeitig auf dem Smartphone, dem Laptop, dem ipad und alle Kanäle der Welt 24/7 at your fingertip, die neuen multilateralen Telegramkanäle sind noch vielfach schneller getaktet mit ihren Nachrichtenhäppchen und Verlinkungen als die klassischen one-way-broadcasting Medien.
No news is good news.
Stell dir vor es ist Corona und keiner berichtet darüber.
Stell dir vor es ist Verschwörung und niemand berichtet darüber.
Dann könnten wir einfach mit unserem Leben weitermachen.
Abschalten von Nachrichten scheint schwieriger als Abschalten von Atomkraftwerken.
Dokumentarfilm. Our of the shadow
Dokumentation: The Social Dilemma



Kommentare