Gleiches Haus, anderer Planet
- TZ

- 5. Jan. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. März

6. Januar 2022
Es ist eine Kult, wie Gunnar Kaiser schon sagte, Impfen und Maskentragen ist zu einer Art Religion geworden und der bedingungslose Gehorsam wird von manchen mit geradezu leidenschaftlicher Gottergebenheit ritualisiert " dein Wille geschehe" während andere den unbedingten zivilen Ungehorsam nicht weniger leidenschaftlich und zeremoniell begehen, in dem man versucht sich über möglichst alle Maßnahmen aus Prinzip hinwegzusetzen.
Es gibt grosse regionale Unterschiede zu verzeichnen. Wo in einigen ostdeutschen Gegenden wohl immer noch die Impfquote bei ca 55 % liegt, scheint die Speerspitze der Impf- und Maßnahmenbefürworter in meinem Haus zu wohnen. Wir sind ja auch sowas wie der Inbegriff der gutsituierten, gebildeten akademischen System-Schicht hier im Prenzlauer Berg, gerne auch das Feindbild gewesen für den Rest von Berlin, in Zeiten in denen es allen so gut ging, dass man nichts besseres zu tun hatte als Kiezbashing zu betreiben und über die Latte-Macchiato-Mütter vom Prenzlauer Berg herzuziehen. Was wünsche ich mir diese unschuldigne Zeiten zurück!
Die meisten meiner Nachbarn arbeiten in mittleren bis hohen systemanhängigen Angestelltenverhältnissen - Ärzte, Journalisten, Lehrer, Juristen, Verwaltung.
Ich bin wohl der Joker oder das schwarze Schaf hier je nach dem, die mit dem unstrukturierten Künstlerdasein und unklaren Familien- und Einkommensverhältnissen - ich war immer schon etwas anders als die anderen hier und es herrschte immer freundliches Wohlwollen bei gleichzeitigem Desinteresse füreinander.
In meinem Wohnhaus wird flächendeckend Zeit, Spiegel, Taz und Tagesspiegel abonniert, und somit seit 2 Jahren die Daily dose of Panic des akademisch-arroganten Betroffenheits- und Haltungsjournalismus zum Frühstück frei Haus geliefert. Dann wird mit FFP2 Maske aus der Wohnung gegangen um nur mal kurz den Müll runterzubringen. Ich weiss immer nicht ob ich erschaudern oder lachen will, bei derartigen Begegnungen im Hausflur, immer möchte ich fragen, warum sie es tun aber ich scheue mich vor der Diskussion, da sie müßig ist, wir werden keinen common ground finden obwohl wir auf unserem common ground stehen.
Wir haben einen Emailverteiler für alle Belange des Hauses, Wasser ist kalt, bei euch auch? Gartendienst, WEG- Sitzung einberufen, wer hat einen Tip für einen Kiefernorthopäden und warum stehen schon wieder Bierflaschen im Garten ? ( wir haben inzwischen viele Teenager hier) Seit ein paar Monaten geistert in unserem Hausverteiler wiederholt interne Impfwerbung herum, als wäre es das normalste auf der Welt - wortlaut z.b.
"Liebe ALLE, in dieser HNO-Praxis in P-berg kann man sofortige Booster-Termine buchen. Moderna+Biontech wird angeboten. Sie impfen ruckzuck ohne Wartezeiten, einfach Termin machen."
Ich finde es immer sehr befremdlich, dass unser Hausverteiler für solche sicherlich gut gemeinten Aufforderungen genutzt wird. Es hat nun mal so gar nichts mit unserer Hausgemeinschaft zu tun - ich dachte Gesundheit ist Privatsache, man schreibt ja auch nicht in den Hausverteiler " Hey macht doch mal einen Termin für eure jährliche Brustkrebs- und Prostatauntersuchung! Hier kann man sich anmelden." Jedesmal habe ich den Impuls zurückzuschreiben und ein paar meiner Infos dazu zu schicken, z.b. über die auf dem Spielfeld zusammenbrechenden Sportler oder ein Video von Dr. Bakthi über die Lyphozythen, doch dann lasse ich es und denke resigniert, dass es eine Pandoras Box ist und ich mit meinem Lebensgefühl und meiner Wahrnehmung einfach nicht hierher gehöre in dieses Haus in diesem Prenzlauer Berg, nun noch weniger als vorher. Andererseits fühle ich mich hier wie eine stiller Beobachterin einer soziologischen Langszeitstudie, das macht es wiederum erfreulich.
Ich mag meine Nachbarn persönlich alle sehr, es sind wunderbare, freundliche, hilfsbereite und korrekte Menschen und ich fühle mich hier trotz allem geborgen und sicher. Durch ein paar Mails im letzten Jahr über die Demos bin ich sicherlich als die Quotenquerdenkerin hier im Haus geoutet - das ist gut und in Ordnung so. Dass ich nicht nur "Ungeimpft" sondern auch "Genesen" bin, das verheimliche ich ihnen immer noch spasseshalber, sollen sie sich ruhig weiter ein bissschen vor mir gruseln im Hausflur. Ich grusele mich ja auch über sie, wenn sie mir im Hausflur oder im Keller maskiert entgegen kommen.
Noch mehr gruselt mich allerdings, dass es in den Mainstream Medien, der Politik und der Gerichtsmedizin einfach immer noch nicht thematisiert wird, dass seit einem halben Jahr Hunderte von topfitten jungen Sportlern an Herzversagen auf den Spielfeldern der Welt zusammenbrechen und viele davon sterben. Wieviele müssen es noch werden, bis sein darf was nicht sein darf?



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