Nazi by choice
- TZ

- 21. Jan. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Jan. 2022
20. Januar 2022

Heute bin ich richtig gut gelaunt. Ich komme gerade von 2 Stunden Ecstatic Dance im grosszügigen Tanzsaal mit Parkett und Spiegelwand eines. .. ach lieber nicht. Wer weiss wer hier mitliest. Einfach so auf Spendenbasis, ganz G-frei und unkompliziert mal wieder richtig rocken, sich frei und glücklich schütteln, die Frequenz hochdrehen. Notwehr, Fitness und Wellness in einem. Es scheinen sich aktuell täglich neue Möglichkeiten aufzutun, im Kreise von lieben freiheitsliebenden Menschen sich nährenden und herzerwärmenden Aktivitäten zu widmen. Tanzen, Singen, Lagerfeuer, Sauna und natürlich Spazierengehen, gerne Montags. Ich kann mich über das Freizeitangebot in Zeiten der offiziellen Ausgrenzung aus dem öffentlichen Leben nicht beklagen. Berlin war berühmt- berüchtigt für seine Subkultur, die jedoch über die Jahre zur Pop- und damit reglementierten Kommerzkultur avancierte oder degenerierte, je nach Blickwinkel. Die illegalen und spontanen Technoparties der 90er sind oder muss man sagen waren längst zu einem veritablen Industriezweig heranwachsen, ein grosser Wirtschaftsfaktor der Stadt mit unzähligen Angestellten- und Pachtverhältnissen und Verwaltungsaparaten, Marketingabteilungen und gar Lobbyisten. Diese Kultur, die ursprünglich aus sich selbst heraus entstand und von der Eigenintiative und dem Eigennutz lebte - wir machen die Parties für uns selber, weil wir mit unseren Freunden feiern wollen - wurde zu einer riesigen Dienstleistungsbranche, verkam zur "Veranstaltung" mit den gleichen Auflagen und wirschaftlichen Zwängen wie Automessen, Eishockeyspiele und Theatervorführungen. Die Clubkultur war gezähmt und abhängig geworden - vom Geld und von der Duldung , Unterstützung und Genehmigung der städtischen Behörden. Dann kam Corona und brachte besonders die Club- und Festivalindustrie an den Rande der Existenz und an dentropf der Coronahilfszahlungen und damit höriger eifriger Umsetzer aller "Maßnahmen" - 2G-Ausgrenzung, PCR-Tests, Impfwerbung, Kontaktverfolgung, gar Maskenpflicht auf dem Dancefloor wurde umgesetzt. weil man sich dadurch verzweifelt das Überleben erhoffte. Nun sind die Clubs wieder zu und ihr Ruf ein für alle Mal bei einem Grossteil der ersten Techno-Generation, zu denen ich mich auch zählen darf, nachhaltig ruiniert. Alles hat seine Zeit. Wir hatten die besten wildesten freisten Zeiten dort, danke für alles und Farewell. Bei eurer Diskriminierung machen wir nicht mit. machen einfach wie früher wieder unsere eigenen Tanzveranstaltungen, ohne Test, ohne Drogen und ohne Impfausweis. Das Spike-Protein-Shedding auf dem durchgeimpften Dancefloor ist mir eh zu heftig. Also ich neulich im Flugzeug aus Portugal kam, drei Stunden eingepfercht mit 80% geimpften Menschen, hatte ich danach so schlimm und lange meine Periodenblutung wie seit 20 Jahren nicht mehr. Danke das reicht mir. It's real.
Aber kommen wir zu den Nazis. Die die ich nun regelmässig zum Tanzen treffe, mit denen ich in die Sauna oder spazieren gehe oder zufällig auf dem Wochenmarkt treffe.
Es ist faszinierend zu erleben, wie das Shaming und Framing der offiziellen Kanäle sich nach einem Jahr so ins Lächerliche abgenutzt hat. Beziehungsweise sich unsereins, ebenso wie die Bitches und Niggers sich ihre ursprüngliche Beleidigung erobert haben, den schlimmsten Begriff im deutschen Sprachraum zu eigen gemacht hat- als geradezu liebevoller Kosename füreinander und ihm damit jegliche Macht genommen haben. So passiert es, dass man ins Gespräch kommt mit dem lange bekannten Biogemüsehändler am Markt und er dann schliesslich sagt " Ich bin ein Nazi" und ich antworte "Oh, schön ich auch" und ein freudig verschmitzes High-Five über der Brokkolikiste. Oder man sucht das angekündigte Lagerfeuer und fragt bei der Ankunft " Ist das hier die Naziveranstaltung?" und alle bejahen amüsiert. Die lustigste Variante des Scriptes ist momentan die, dass es sich eingebürgert hat, sich bei Demos und Spaziergängen mit dem immer wieder aufpoppenden Antifa-Kindergartenkollektiven Ruf-Duelle zu liefern. "Die Antifa" - meist eine Gruppe von ca. 15-30 Jugendlichen, natürlich alle in abgewetzt-schwarz, zur stilistisch eher punkig-nerdigen Uniform gehören auf jeden Fall Aufnäher mit dem Anarchie-A und Nazis-Raus-Stickerei und die offizielle rote Vereinsfahne mit der schwarzweissen Flagge drauf. Diese Abordnung ist also nachwievor die sogenannte Schmeissfliege auf der Demoschlange, immer wieder schwirren sie an, nerven und schwirren wieder davon um an der übernächste Ecke wieder aufzutauchen und die friedlichen Corona-massnahmenkritiker aus der Mitte der Gesellschaft reflexartig anzubrüllen mit der alten Parole " Nazis raus!". Inszwischen brüllt die Mitte der Gesellschaft, auf der Straße immer zahlen- und damit stimmmässig überlegen, ebenso reflexartig sobald der Antifa-Schwarm auftaucht, eben einfach das Selbe zurück. Und so ergeben sich immer wieder wirklich surreale, höchst komische Szenen, wo sich ein paar hundert Erwachsene, belustigt, mit 30 Jugendlichen, verbissen, im Vorbeiziehen ein Brüll-Duell liefern, wer lauter "Nazis raus!" schreien kann, das alles begleitet von einer Anordnung schweigend in Schach haltender Polizisten. Was die sich wohl denken über dieses Affentheater?



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